Unsere Wurzeln

Was sind Jesiden?

Eine kleine Einführung in unsere Gemeinschaft, unseren Glauben und die Symbole, die uns seit Jahrtausenden begleiten — der Pfau, das Licht und das heilige Tal Lalish.

Wer wir sind

Die Jesiden (Êzîden)

Die Jesiden sind eine alte religiöse und kulturelle Gemeinschaft mit Wurzeln in Mesopotamien — vor allem in Şingal (Sindschar) und im Norden des Irak. Unsere Religion ist friedlich, naturverbunden und über tausende Jahre alt. Wir glauben an das Licht, an die Würde des Menschen und an die heilige Verbundenheit mit der Sonne.

Trotz schwerer Verfolgung halten wir an unseren Traditionen, unserer Sprache und unserem Glauben fest — mit Stolz und Liebe.

Im 12. Jahrhundert lebte ein weiser Mann. Er hieß Şêx ʿAdī. Er lebte im Nordirak. Um ihn herum entstand unsere Gemeinschaft. Das war vor mehr als 800 Jahren.

Seitdem gab es viele schwere Zeiten. Immer wieder mussten die Êzîden fliehen. Sie wurden verfolgt. Viele verließen ihre Heimat. Heute leben besonders viele Êzîden in Deutschland. Das ist heute eine der wichtigsten Heimaten für uns außerhalb des Irak.

Jesidische Familie in traditioneller weißer Kleidung
Pfau mit gefächertem Federkleid — Tawûsî Melek

Symbol

Was der Pfau bedeutet

Der Pfau — Tawûsî Melek — ist im jesidischen Glauben das heiligste Symbol. Er steht für Licht, Schönheit, Würde und göttliche Gegenwart. Sein gefächertes Federkleid erinnert uns an die Vielfalt der Schöpfung und an die Verantwortung, das Gute in der Welt zu schützen.

Deshalb findest du den Pfau bei uns auf Schmuck, Kleidung und Wanddeko — nicht als Mode, sondern als Zeichen unserer Identität.

Es gibt ein altes Missverständnis. Manche sagen: Der Pfau ist der Teufel. Das ist falsch. Die Êzîden glauben nicht an einen bösen Gegengott. Das Wort Teufel darf bei den Êzîden nicht einmal gesagt werden. Deshalb tut es den Menschen weh, wenn andere sie so nennen. Der Pfau steht für Licht und Gutheit. Nicht für Böses.

Nordirak · Schechan

Lalish — Unser heiliges Tal

Lalish (auch Lalisch) ist das bedeutendste spirituelle Zentrum und die heiligste Pilgerstätte der Jesiden. Das Tal liegt im Nordirak, etwa 60 Kilometer nördlich von Mossul in der Region Schechan. Hier ruht das Grab von Scheich Adi ibn Musafir — der zentralen Figur unseres Glaubens.

Jeder Jeside sollte nach Möglichkeit mindestens einmal im Leben nach Lalish pilgern. Den heiligen Boden betreten wir traditionell barfuß — aus Respekt vor diesem Ort, der uns mit unserer Geschichte, unseren Vorfahren und mit dem Licht verbindet.

Lalish ist mehr als ein Ort. Es ist Heimat, Erinnerung, Gebet — und das Herz unserer Gemeinschaft.

Die Êzîden haben wichtige Feste im Jahr. Im Frühling feiern sie das neue Jahr. Das ist im April. Dann gibt es Blumen und bunte Eier. Das wichtigste Fest ist im Herbst. Dann kommen viele Êzîden nach Lalish. Sie tanzen, singen und beten gemeinsam. Das dauert eine ganze Woche.

Lalish — die heilige Pilgerstätte der Jesiden mit ihren markanten kegelförmigen Türmen

Unsere Geschichte

Wichtige Ereignisse

Die Êzîden haben eine lange Geschichte. Sie lebten schon vor dem Islam in Mesopotamien. Im 12. Jahrhundert entstand unsere Gemeinschaft im heutigen Nordirak. Im 19. Jahrhundert gab es schwere Verfolgungen. Viele Êzîden mussten fliehen. Sie zogen in den Kaukasus und später in die Türkei.

Im 20. Jahrhundert kamen viele Êzîden nach Deutschland. Sie suchten Sicherheit und ein neues Leben. 2007 gab es Anschläge auf zwei Êzîden-Dörfer. Fast 800 Menschen starben. Das zeigt: Die Gewalt gegen unsere Gemeinschaft war leider kein einmaliges Ereignis.

Erinnerung

Shingal und der 3. August 2014

Am 3. August 2014 passierte etwas sehr Schlimmes. Eine Gruppe namens IS griff Shingal an. Das ist die Heimat vieler Êzîden. Viele Menschen starben. Viele wurden verschleppt. Über 400.000 Menschen mussten fliehen. Noch heute werden Menschen vermisst.

Die Welt hat das langsam erkannt. 2016 sagte die UN: Das war ein Genozid. Das bedeutet: Eine Gruppe wurde absichtlich vernichtet. 2023 hat auch der Deutsche Bundestag das anerkannt. Einige Täter wurden vor Gericht gestellt. Aber für die Überlebenden ist das nur ein erster Schritt. Sie brauchen Gerechtigkeit und Unterstützung.

Auch in Deutschland leben heute viele Êzîden. Schätzungen sagen: mehr als 230.000 Menschen. Sie haben ihre Heimat verloren. Aber sie halten ihre Kultur fest. Sie feiern ihre Feste. Sie sprechen ihre Sprache. Und sie erinnern an das, was passiert ist. Damit es nicht vergessen wird.

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